Wie jedes Jahr findet auch in diesem Juni in Basel die weltweit größte Kunstmesse statt. Das „normale Volk“ darf die Art Basel vier Tage lang vom 16. Juni an besuchen. Promis oder Kunstsammler mit besonders dickem Portemonnaie (und Bodyguard) werden wieder einige Tage früher zu den zahlreichen Pre-Previews erwartet. Aber auch solche Kunstliebhaber mit nur kleinem Budget brauchen nicht auf kulturelle Inspiration verzichten, vor allem dann, wenn man ein Faible für Streetart hat, die es an vielen Hot-Spots in der Schweizer Kulturmetropole zu entdecken gibt.

Die meisten Stars der Graffiti-Szene sind mittlerweile recht flexibel geworden und sprayen längst nicht mehr nur auf Beton.

1. StreetArt auf Beton & Leinwand von Zedz

Mit einem vergleichsweise kleinen Budget kann man inzwischen auch – ohne Messebesuch – tolle Leinwandarbeiten entdecken und kaufen.
Wer nach Basel mit dem Zug anreist muss wissen, dass es in der Stadt zwei Hauptbahnhöfe gibt. Zwischen dem Badischen Bahnhof und dem „SBB“, der sogenannten Basel-Linie, sind die meisten Graffiti zu entdecken.

2. Zugeinfahrt Basel-Linie

An diesem Hot-Spot mit alter Sprayer-Tradition werden Gerüchten zufolge szeneintern nur hochwertige Graffiti akzeptiert, alles andere wird kurze Zeit später sofort wieder übermalt. Wem die Bahnfahrt zu schnell geht, der kann in Ruhe zu Fuß einen Blick auf die kilometerlangen Betonböschungen werfen. Am besten geht das von der Singerstraße aus oder entlang der Galgenhügel-Promenade.
In der Basler City sind illegale StreetArt-Arbeiten streng verboten. Bemalte Flächen werden meist innerhalb weniger Stunden wieder gereinigt. Dennoch gibt es einige geduldete „Auftragsarbeiten“. Das wohl am meisten fotografierte Wandbild der Stadt befindet sich im Gerbergässlein und zeigt (fast) alle Rockstars der letzten 50 Jahre.

3. Rockstars im Gerbergaesslein

Die Graffiti-Wand wird von der gegenüberliegenden Rock-Bar L’Unique gesponsert. Wer meint, dass auf der Fassade noch ein weltbekannter Musiker fehlt, kann dem Wirt den entsprechenden Namen vorschlagen. Zuletzt kam das Gesicht von David Bowie dazu, gerade noch rechtzeitig einige Monate vor seinem Tod…

Nur wenige Schritte entfernt befindet sich in der Schneidergasse 26 für die Dauer der Art Basel eine Pop-Up-Galerie, die einheimische Sprayer über die Künstlerplattform Urbane Kunst organisiert haben. Wem die großformatigen Wandgraffiti z.B. von Boogie, Bustart, Chromeo oder Shez gefallen, der kann hier nach günstigen Leinwänden schauen und so vielleicht den Grundstein legen für eine kleine Sammlung echter Originale.

4 Eistuete von Boogie unter der A98 bei Loerrach

Eistuete von Boogie unter der A98 bei Loerrach

5.-Bustart-Naehe-Fleischfabrik

Bustart-Naehe-Fleischfabrik

6. Chromeo in einer Hotelgarage in Basel

Chromeo in einer Hotelgarage in Basel

Ebenfalls nicht weit entfernt das größte eigentümergeführte Basler Buch- und Kulturhaus Bider & Tanner in der Aeschenvorstadt 2 mit einer riesigen Auswahl auch an fremdsprachiger Literatur und besonderer Schaufensterdeko zur Art Basel.

Wer von der City zum Messegelände auf der anderen Rheinseite wandert, kann dabei an einigen Eck-Gebäuden in Höhe der Straßenschilder kleine Kachelmosaiken vom weltweit bekannten Pariser Künstler Invader finden, die dort – wie z.B. an der Riehenstraße – im Vorfeld einer der letzten Kunstmessen (legal oder illegal?) angebracht wurden.

7. Invader 1 (von Paris nach Basel) k

Zwei weitere Hot-Spots etwas am Rande der Stadt: Die lange Beton-Mauer entlang einer bekannten Wurstfabrik an der Neudorfstraße: dort kann man während der gesamten Messe-Woche live dabei sein, wie die ohnehin nicht schlechten Graffiti vom letzten Streetqrt-Contest nun mit noch besserem Style übermalt werden sollen. Und am Rheinufer vom Klybeck-Quai

8. Baseler Hafen-R(h)einwasserkontrolle

bis zum West-Quai im Hafen-Areal kann man ebenfalls eine riesige Auswahl an Graffiti besichtigen, wobei die etwas versteckten Arbeiten des Brasilianers Zezao herausragen.

9. Zezao Naehe Westquai

Wer nach Basel fährt und dabei etwas mehr Zeit mitbringt, kann die besten Hot-Spots im Dreiländereck am besten in einer ganztägigen Rundfahrt per Pedale ansteuern. Ein Tipp dazu: Leihfahrräder (und auch E-Bikes) bekommt man viel günstiger auf der deutschen Seite, z.B. im der Fahrradstation Follow me direkt neben dem Bahnhof in Lörrach, Bahnhofstr. 1.

Von dort aus sollte man aber nicht gleich auf Basel zusteuern, sondern zuerst die Autobahnbrücke unter der A98 anschauen (beim Kreisel Brombacher Straße). Dort haben zwischen 2010 und 2014 einige international bekannte Sprayer mit Hubwagen-Unterstützung bis zu 22 Meter hohe XXL-Graffiti gemalt, die in dieser Komposition einmalig sein dürften.

10. Beendet - Projekt Bridge-Gallery

Inzwischen ist das Projekt „Bridge-Gallery“ nach Einwänden der örtlichen Jugend und des städt. Kulturamtes allerdings beendet worden.
Das Schöne an der Streetart in Basel und Umgebung ist und bleibt, dass sie oft witzig, manchmal auch überraschend daherkommt, für jeden frei zugänglich und zudem ohne Eintrittsgeld zu bestaunen ist. Eine schlechte Nachricht dazu darf allerdings nicht verschwiegen werden: man weiß nie, wie lange es dauert, bis ein Graffiti wieder übermalt wird.
Aber Basel ist auch nach der Kunstmesse ein kulturell lohnenswertes Ziel!

Flüge gibt es mit EasyJet von Berlin oder Hamburg nach Basel-Mulhouse-Freiburg mehrmals täglich, kosten teilweise nicht einmal 30 € (vor allem Di und Do) und es warten im Dreiländereck tolle Museen wie das Tinguely Museum, die Fondation Beyeler oder das Vitra Design Museum

Die Tourenvorschläge entstammen zum Teil dem Buch „STREETART BASEL: Die Hot-Spots im Dreiländereck“.

P.S.: Hinter den drei im Text genannten Adressen verbergen sich durchweg äußerst nette Menschen: Andy Ibach vom L’Unique kämpft gegen die Basler Verwaltungsmühlen, damit er die Wandmalereien im Gerbergässlein etwas erweitern darf, Herr Stocker als Eigentümer von Bider & Tanner ist ein super engagierter Buchhändler und Kunstfreund, der sich mit viel Kreativität erfolgreich gegen die großen Buch-Filialisten behauptet und die Sprayer der Künstlerplattform Urbane Kunst (allen voran Bustart) haben für eine Woche in der Fußgängerzone einer Ladenbesitzerin ihr Geschäft abgeschwatzt, um da pop-up mäßig mit eigenem Risiko Graffiti auf Leinwänden etc. einem breiten Publikum präsentieren zu können.

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Marianna

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Marianna ist Hamburgerin mit griechischen Wurzeln, studierte in Berlin Literatur-, Kultur- und Rechtswissenschaften und arbeitete in Indien, Griechenland und München. Sie lebt in Berlin, ist als Autorin, Webdesignerin und Fotografin tätig und ist süchtig nach frischem Koriander.

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(5) Kommentare Schreib mir was!

    • 16. Juni 2016

    Sehr schöner Beitrag Marianna. Basel scheint ja was Streetart angeht einiges zu bieten.
    Viele Grüße,
    Silke

  1. sulue
    • 17. Juni 2016

    Danke für den Bericht. Coole spots hast du da gefunden. Ich versuche auf meinen Stadtreisen immer was im Bezug aus street art mitzunehmen.

    Schönen Tag dir!

  2. Manfred
    • 19. Juni 2016

    Auch ich bin immer auf streetartsuche bei meinen staedtereisen. Auf Basel bin ich da allerdings noch nicht gekommen. Danke fuer den tipp. Persoenlich finde ich Athen (speziell Psirri und exarchia) und Thessaloniki diesbzgl. sehr spannend.

    • 14. Juli 2016

    Hallo Marianna,
    schöner Artikel! Ich wusste gar nicht, dass es in Basel so eine augeprägte Streetart-Szene gibt…. Schade dass es bei uns in Deutschland irgendwie so gar kein Bewusstsein für Graffiti und Street Art gibt, das über Sachbeschädigung hinaus geht! Allerdings sind zumindest in meiner Heimatstadt die Graffitis leider auch eher Schmierereien als Kunstwerke. In Australien habe ich dieses Jahr allerdings die bisher coolsten Graffitis überhaupt gesehen… Wenn du magst schau doch mal bei meinem Artikel über die Streetart in Melbourne & Perth vorbei: http://www.travelandtastetheworld.com/street-art-australien/

    Viele Grüße
    Julia

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