Die Küsten Kaliforniens verbinde ich ganz klar mit zwei Farben: sattes Rostrot und sanftes Hellblau. Die rostroten Klippen am Big Sur, die hellblauen Restaurants am Hafen von Santa Cruz. Sie sind exemplarisch für weitere Orte, die ich auf meiner Strecke von San Francisco nach Los Angeles entdecke und stets werde ich von den Farben begleitet.

Der Kontrast hierbei ist wichtig, er lässt mich den Bundesstaat besser verstehen. Von dem Trubel San Franciscos geht es jetzt in ruhigere Gebiete, so kommt es mir zumindest vor: Die Farben verlieren ihre Sättigung, zumindest vorerst, und die Lautstärke reduziert sich auf den Motor des Autos und das Rauschen des Meeres rechts neben der Straße.

Achterbahn, Surfer und Glitzer: Santa Cruz

Der Parkplatz ist leer. Am Strand von Santa Cruz und vor dem großen Freizeitpark direkt am Meer atmet der Küstenort wohl durch: Es ist Oktober, mittlerweile ist die Hochsaison vorbei und nur vereinzelt sehe ich andere Menschen. Der Freizeitpark, einer der letzten Beach Boardwalks an der kalifornischen Küste, erstreckt sich direkt vor meiner Nase. Ich denke mir: Achterbahnfahren mit Blick auf den Pazifik? Das muss doch einmalig sein. Hier bereue ich die Off-Season zum ersten und letzten Mal, denn die Fahrgeschäfte sind geschlossen.

Am Pier geht langsam die Sonne unter und weit hinten im Wasser entdecke ich ein paar Surfer. Hier am Strand befindet sich auch mein Hotel für die kommende Nacht. Im Santa Cruz Dream Inn scheint die Zeit ein wenig stillzustehen und das meine ich durchaus positiv: Im verträumten Charme der 70er Jahre und mit direktem Blick auf das Wasser erlebe ich meinen ersten amerikanischen Abend am Meer und könnte entspannter nicht sein. Ob das Meeresrauschen hier etwas hypnotisches hat? Ich kenne den Atlantik, doch mit dem Pazifik mache ich erst auf dieser Reise Bekanntschaft: Nice to meet you.

Den amerikanischen Kontrast entdecke ich auch in Santa Cruz. Während am Strand alles pastellfarbnen und verträumt scheint und selbst das Casino Arcade, eine Spielhalle mit unzähligen Computerspielen, irgendwie poetische Züge annimmt, ändert sich der Ton je weiter ich mich vom Pier entferne: Hotelwerbung mit schönen Schriftzügen neben Autoverkäufern mit Glitzerdekoration. Dahinten steht ein Coca Cola-Truck, einer wie aus der Werbung. Es ist nicht so, als würde dies den Zauber trüben. Sondern beides ergänzt sich ganz ausgezeichnet.

Monterey und the restless Sea

Der nächste Stop führt uns an einen kleinen Hafen zu einer stillgelegten Werft. In der Fisherman’s Wharf in Monterey flaniere ich vorbei an Restaurants, kleinen Boutiquen und Läden bis nach vorne zu den Seehunden, zu den Ferngläsern. Mit ein wenig Glück soll man hier Wale sehen können, doch ich habe wohl Pech.

Unweit von Monterey beginnt der berühmte 17-Mile Drive. Die Straße führt entlang des Pazifiks zu unterschiedlichen Punkten und Sehenswürdigkeiten. Mein liebster Halt: The restless Sea. Was für ein Name! Und er ist treffend gewählt: Das Meer wirft sich hier voller Energie und Leidenschaft gegen die Felsen, gegen das Ufer, mit einer Lautstärke, die eine Kraft erahnen lässt, die man gar nicht spüren will. Das ist nicht ganz ungefährlich. Informations-schilder warnen vor der Naturgewalt – natürlich sind sie hellblau umrahmt.

Folgt man der Route 101 weiter, vorbei an roten und trockenen Landstreifen (der Sommer muss ein heißer gewesen sein) sieht man immer öfter die Schilder in den einzeln eingezäunten Wiesen: Die USA wählt in wenigen Wochen ihre neue Präsidentin oder ihren Präsidenten. Eine Tendenz lässt sich nicht erkennen, immer abwechselnd sind die Schilder blau und rot.

Rostrot und himmelblau: Big Sur

Doch die Route 101 hat neben Walen und unruhigen Wellen noch ein großes Highlight zu bieten: Big Sur. Der Küstenstreifen soll schön sein, habe ich gelesen. Dass er wirklich so unfassbar schön ist, hätte ich nie gedacht. Zwischen San Simeon und Carmel warten 100 Kilometer Strecke, die sich kaum beschreiben lassen. Das Wasser ist klar und blau in allen möglichen Nuancen, das Rostrot der Klippen und Berge ist hier leuchtend und saftig, die Strände lang und felsig – gleichzeitig ist die Szenerie immer zärtlich, wohlwollend und verträumt.

Natürlich ist die Bixby Creek Bridge ein Muss. Auch wenn der Parkplatz voll ist, auch wenn ständig Leute durch das Bild laufen sobald ich ein Foto machen möchte – der Ausblick ist einmalig und wunderschön. Und dann, einige Kilometer weiter und gerade als die Sonne untergeht, erreiche ich Pfeiffers Beach.

Der Felsen vor mir sieht aus wie ein großer Steinblock mit einer kleinen Tür in der Mitte, dahinter versinkt die Sonne und blinzelt langsam durch den Rahmen. Jetzt ist die Sonne rostrot und wenn sie auf das Wasser trifft, wenn sie die Felsen streift, entstehen sekündlich neue Farben.

Mit dem Blick nach vorne, mit dem Blick auf das Wasser und den Horizont freue ich mich über das Licht, über den Ort, über die Natur. Ich denke mir: Nirgendwo in Kalifornien sind Licht und Farben so schön und einmalig wie hier. Was ich in diesem Moment noch nicht weiß: Venice Beach wird mich eines besseren belehren.

Mit freundlicher Unterstützung von Air Berlin und Visit California.

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von

Studiert und arbeitet in Kassel, doch am liebsten fährt sie durch fremde Landschaften oder mit der Belgrader Straßenbahn. Und schreibt darüber. Immer mit dabei: Ein Notizbuch und ein kleiner Beutel voller Fotofilme, denn ihre Reisen fotografiert sie ausschließlich analog. Was sie noch mag? Gespräche. Mehr dazu auf: fünfpluszwei.de.

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