Für mich ist Ceviche eine Art Lebensphilosophie. Ein legales Mittel, um mich mit Glück zu berauschen.
Und davon hatte ich während meiner Zeit in Peru reichlich. Drei Jahre durfte ich in Cusco, auf 3.430 Meter Höhe leben und arbeiten. 10.488 Kilometer und 38 Meter trennen mich nun aber von meinem geliebten Peru und der Möglichkeit, richtig gutes Ceviche zu essen.

Es ist Winter, der Himmel über Deutschland kennt nichts außer grau. Kein Wetter, um an rohen Fisch in saurem Limettensaft zu denken. Doch, mich packt der Heißhunger auf die kalte Speise.

Anfangs wusste ich Ceviche nicht zu schätzen. Ich hatte sogar Horror davor, es zu essen. Meine Geschmacksknospen waren einfach schier überfordert. Aber irgendwie spielt das Leben doch immer so. Gestern habe ich Ceviche gehasst und heute ist es das himmlischste Essen auf Erden.

Ceviche Zutaten Fisch

Wenn ich an Ceviche denke, kommen mir die schönsten Erinnerungen. Dann sehe ich den blauen Himmel über Cusco und spüre die Höhensonne auf meiner Haut. Das richtige Zeichen – es ist ein guter Tag für ein „Cevichito“. Ich erinnere mich an die Begeisterung, die ich mit meinen Kollegen und Freunden teilte. Die Momente, in denen wir alles stehen und liegen ließen, um das Leben, das gute Essen und die Freundschaft zu feiern. Ich erinnere mich an Sonntage nach durchzechten Nächten – ja Ceviche gilt als das perfekte Essen gegen den Kater.

Und was ist das Geheimnis hinter dieser exotischen Speise? Ist es die Leichtigkeit, die intensiven Geschmäcker oder einfach nur das „Ceviche-Essen“ an sich?

Die Zubereitung ist so simpel und gleichzeitig eine hohe Kunst. Frischer Fisch, Limettensaft, ein bisschen Schärfe – das war es im Prinzip. Fertig ist das Gericht, welches zum peruanischen Nationalgericht ernannt wurde und sogar dabei ist, internationale Gourmetküchen zu erobern.

Aber ist das alles? Nein, ganz sicher nicht.

Das leichte Fischgericht ist in Lima so selbstverständlich wie Brot und Butter in Deutschland – nur um Weiten gesünder. Ursprünglich war Ceviche ein Essen für arme Leute. Den Fisch gibt es reichlich in den Gewässern Perus. Als die Spanier dann auch noch die Limetten ins Land brachten, dauerte es nicht lange und das Gericht war erfunden.

Die Säure der Limetten kocht den Fisch – das ist die wichtigste Regel. Hinzugefügt wird Rocoto oder Aji, eine Art scharfe Chili, die dem Fisch zusätzlich Würze verleiht. Hauchdünne Zwiebeln, Mais und Koriander garnieren den Fisch. Als Beilage werden Süßkartoffeln oder gebratene Yucas gereicht.

Ceviche_Peru_Cusco_el_Paisa

Als kleiner Umtrunk gilt die Tigermilch, die sogenannte „leche de tigre“. Sie wird in Restaurants meist vor dem Hauptgang serviert. Ein bisschen Fisch, Knoblauch, Koriander, Limettensaft und Aji werden in einem Mixer zu einem weißen Saft verarbeitet. Dieser schmeckt so intensiv und belebend, dass man sich einbilden mag, danach so stark wie ein Tiger zu sein.

Ich habe es geliebt, mit meinen peruanischen Freunden über Ceviche zu philosophieren. Alle sind unheimlich stolz und jeder ist der Meinung, im Besitz der geheimen Ceviche-Formel zu sein. Mit der Zeit habe ich meine ganz eigene Ceviche-Strategie entwickelt, an der ich bis heute penibel feile.

Mittlerweile bereite ich Ceviche sogar in Deutschland an grauen Wintertagen zu. Auf meiner Seite Info-Peru verrate ich mein persönliches Geheimrezept.

Und irgendwann, davon bin ich überzeugt, gelingt es mir sicher auch – mein eigenes Cevichito a la Norita!

Zum Ceviche dazu gehört entweder ein kühles Bier, ein leckerer Pisco Sour oder das traditionelle Chicha Morada.

In diesem Sinne – Buen Provecho!

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Nora Teichert

von

Hallo, ich bin Nora und mein Herz schlägt peruanisch – auch wenn ich gar nicht in Peru bin. Auf meinem Blog Info-Peru plaudere ich aus dem Nähkästchen, über meine Zeit in den Anden, magischen Momenten, Menschen, Orten und der unheimlichen Inspiration, die mich immer wieder packt. Peru-Interessierte können mir sehr gern schreiben. Ich berate euch über individuelle Touren und Möglichkeiten für Langzeitaufenthalte.

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              • Hier erwähnt: Mexikanische Küche: Essen und Trinken in Yucatán

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