Bonjour!
In der vergangenen Woche habe ich schon ein wenig über die Schule, das Schulsystem etc. hier in Reunion gelernt und ich dachte mir, weil es so anders ist, erzähle ich euch ein bisschen darüber.

Schüler in Frankreich gehen nach dem ecole maternelle auf das College und danach für die letzten 3 Jahre auf das Lycee. Es gibt hier keine niveauabhängige Trennung der Schüler wie bei uns in Deutschland. Das mag zwar viele Nachteile mit sich bringen, aber mindestens genauso viele Vorteile. Außerdem zählen die Franzosen die Klassen anders, nicht wie wir von 1 bis 12 sondern von oben nach unten (ein wenig kompliziert, weil es mit Namen für die Klassenstufen anfängt, dann zu Zahlen wechselt und die letzte Klasse dann wieder einen Namen hat, Terminal).

Am Morgen fahren wir dann also mit dem Auto zum Lycée, auf das meine Austauschpartnerin und ich gehen. Um 7:30 Uhr fängt der Unterricht mit einem Signalton an. Dann gehen alle Schüler in ihre jeweiligen Unterrichtsräume und setzen sich irgendwo hin. Vormittags sind bis um 11:30 Uhr 4 Schulstunden a 55 Minuten. Wofür die Schüler und Lehrer für verschiedene Fächer auch die Räume wechseln müssen, da es keine Klassenzimmer oder ähnliches gibt.

Schulzimmer-auf-la-reunion

Ein typisches Klassenzimmer (mit Ventilatoren natürlich)

In der Mittagspause essen dann alle, oder eben fast alle, in der Cafeteria zu Mittag. Aber offensichtlich stehen die Franzosen nicht so auf Vegetarismus, das Hauptgericht war bis jetzt immer mit Fleisch oder Fisch. Aber für eine Schulmensa ist es auf jeden Fall nicht schlecht (vor allem weil man eine Aussicht auf das Meer beim Essen hat…)

Um 13:00 Uhr geht dann für die allermeisten der Unterricht wieder los und endet um 17:00 Uhr. Das ist um einiges länger als in Deutschland und wir deutschen Schüler würden stöhnen wenn wir jeden Tag bis auf Mittwoch, da hat ganz Frankreich frei für Freizeitaktivitäten, mit unserem System so lang Schule hätten! Ja klar, auch hier ist es anstrengend, aber man kann es überleben. Vielleicht liegt es an der gigantischen Aussicht auf entweder Meer und Palmen oder Urwald und Palmen?

Exotische Bäume im Schulhof

Exotische Bäume im Schulhof

Mit Aussicht aufs Meer!

Mit Aussicht aufs Meer!

Auf jeden Fall gefällt mir das Lycee sehr gut, viel besser als der graue Betonklotz, genannt Gymnasium, auf das ich gehe. Die Gänge der Schule hier liegen draußen, wie lange überdachte Balkone mit ganz vielen roten Türen und der fantastischen Aussicht. Es gibt eine Art Amphitheater, in dem neulich ein Wettbewerb für das beste Kostüm an Fasching (Fasching ist hier an nur einem Tag und nur in der Schule) stattfand, und exotisch tropische Bäume, die ein wenig Schatten spenden sowie ganz viele Palmen. Aber die wachsen, pardon wuchern, hier überall.

Also, palmige Grüße aus Reunion,
Anni

Anni berichtet einmal die Woche von ihren Erfahrungen mit 15 Jahren am anderen Ende der Welt.

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Anni Zettl

von

Ich heiße Anni und bin 15 Jahre alt. Ich habe mich dieses Jahr dafür entschieden, einen dreimonatigen Austausch nach La Reunion zu machen. Zum einen wegen meiner unbestreitbaren Abenteuerlust, vor allem aber wegen der Sprache. Ich lerne seit ungefähr 4 Jahren französisch und habe schon sehr früh Gefallen daran gefunden.

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(11) Kommentare Schreib mir was!

    • 24. Februar 2015

    Viel Spaß! Ist das denn schwer mit der Sprache in der Schule?

      • 24. Februar 2015

      Hallo Johannes,
      Es wird immer leichter mit dem Französisch. In Französisch bekomme ich individuelle Aufgaben und eigentlich nur in Histoire-Géo verstehe ich absolut nichts und greife lieber zu Stift und Papier und zeichne meinen Block voll. Aber meine Mitschüler scheinen hier wohl fast genauso wenig zu verstehen.
      Liebe Grüße,
      Anni

  1. Marianna
    Marianna
    • 24. Februar 2015

    Ich hab auch ne Frage: Gibt es andere Fächer?

      • 26. Februar 2015

      Ja, kann man so sagen. Es gibt zusammengefasste Fächer wie SVT (entspricht etwa Biologie und Naturwissenschaften), Physique-Chimie (das erklärt sich von selbst) oder Histoire-Géo (Erdkunde und Geschichte in einem). Außerdem gibt es hier an der Schule Europa-Unterricht, heißt ein Fach auf deutsch oder Englisch.
      Liebe Grüße,
      Anni

  2. Eva
    • 24. Februar 2015

    Hallo Anni,

    es gibt also regulär nur 4 Schultage oder verstehe ich das falsch?
    Und wie viele verschiedene Fächer hast du?

      • 26. Februar 2015

      Nein wir haben auch 5 Schultage wie in Deutschland, ich fürchte das war blöd formuliert :D Nur haben wir Mittwoch Nachmittag keinen Unterricht wie an allen anderen 4 Tagen.
      Liebe Grüße,
      Anni

  3. Jutta
    • 25. Februar 2015

    Hi Anni,
    andere Länder, andere Sitten und Schulsystem.
    Bis bald,
    Jutta

  4. Selina
    • 26. Februar 2015

    Ich glaube dass es auch bei uns nicht mehr so lange dauern wird, bis auch unsere Schüler bis 5 Unterricht haben. In Österreich zumindest scheint sich dieses Konzept der Ganztagsschule immer mehr durchzusetzen. Ich stehe dem Konzept noch etwas skeptisch gegenüber, sehe aber natürlich die Vorteile für berufstätige Eltern. Und in Frankreich scheint es ja auch gut zu funktionieren…

      • 26. Februar 2015

      Ich finde dieses Schulsystem gar nicht so schlecht. Es gibt viele und lange Pausen, die das ganze auflockern und in denen verbringt man quasi automatisch seine Freizeit mit Freunden.
      Liebe Grüße,
      Anni

  5. Jaqueline
    • 5. August 2015

    Liebe Anni,

    ich schreibe gerade ein interkulturelles Training für SchülerInnen, die einen Austausch auf La Réunion machen.
    Ich hätte gerne gewusst, wie der Unterricht dort so ist bzw. bei dir war?
    Also wie haben die Lehrer den Unterricht gestaltet, wurde diskutiert oder war es eher sehr einseitig und frontal etc.

    Liebe Grüße

    Jaqueline

      • 10. August 2015

      Hallo Jaqueline,
      Der Unterricht ist bei jedem Lehrer anders, aber trotzdem gibt es eine Tendenz zum Frontal-Unterricht. In Fächern wie Physique-Chimie und SVT gab es aber häufiger Gruppenarbeit. In Ph-Ch war es zum Beispiel so, dass es jede 2. Woche mit der Hälfte der Klasse ein Praktikum gab, bei dem wir etwas mehr oder weniger erarbeitet haben. In anderen Fächern gab es aber auch hin und wieder mal Gruppenarbeit.

      Ein großer Unterschied zu unserem Schulsystem ist aber auch, dass sie dort keine mündlichen Noten, wie wir sie haben, bekommen, sondern benotete Abfragen von Hausaufgaben oder ähnlichem haben und teilweise wöchentlich eine Arbeit schreiben. Das hat natürlich zur Folge, dass man im Unterricht weniger aufpassen und teilnehmen muss und bei den Arbeiten viel weniger Stoff dran kommt.

      Punkt 3 ist, dass das französische Schulsystem eine Gesamtschule ist und das Niveau verglichen zu einem Gymnasium in Baden-Württemberg (Ich kenne nichts anderes) vor allem in den wissenschaftlichen Fächern sehr viel niedriger ist. Dementsprechend behandeln sie Themen nicht so intensiv wie wir. Es hat mich zum Beispiel etwas gestört, dass die Lehrer in Mathe den Schülern eine Formel geben und nichts dazu erklären. Man muss einfach nur akzeptieren, dass sie funktioniert. So musste ich zum Beispiel feststellen, wie schwierig es für die 10. Klässler war einfachste Gleichungen zu lösen.

      Es gibt noch viel zu sagen, aber der Kommentar ist schon so ewig lang. Falls noch offene Fragen da sind, würde ich mich freuen, wenn du sie mir stellst. Entweder über meinen Blog annivoyage.blogspot.de (da antworte ich am schnellsten) oder über Weltenbummler Mag oder über E-Mail (annizettl@gmail.de). Suchs dir aus! :)

      Liebe Grüße,
      Anni

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