Es folgt ein Gastbeitrag von Oliwia Strazewski, Autorin:

„There are two sorts of people- those who have been to New York and those who haven´t.“

Dieser Spruch stammt von einem alten, weisen Mann (mit grüner Haut und langen spitzen Ohren… Scherz), den ich auf meiner Reise in die Stadt der Städte letztes Jahr getroffen habe. Und ja, er stimmt.

New York © O.Strazewski

Ruft euch alles in Erinnerung, was ihr je über diese Stadt in Filmen, Serien und Songs gehört, gesehen und euch vorgestellt habt. Nehmt das Ganze nun mal Zehn, addiert eine Menge Dreck und Gestank und ihr erhaltet ein halbwegs akkurates Bild der Stadt der Städte, der Mutter aller glitzernden Metropolen, des triefenden, saftigen, an manchen Stellen gammeligen, aber trotzdem sehr appetitlichen Big Apple.

New York © O.Strazewski

Als ich mich vor knapp einem Jahr auf den Weg machte, vollgepackt mit all den Erwartungen, die in mir durch hunderte von Fernseh- und Kinoproduktionen an diese Stadt geschürt worden waren, war ich wirklich recht ahnungslos, was da auf mich zukommen sollte. In meinem Kopf quakten zwei Stimmen.

Die eine phlegmatisch: „So toll wie alle sagen, kann´s gar nicht sein.“

Die andere euphorisch: „Pass auf, das wird der Trip deines Lebens, Baby! (letztere hatte sich wohlgemerkt erst nach dem zweiten Drink im Flugzeug gemeldet und lallte ein wenig).

Und wie heißt es so schön: Alkohol induzierte lallende Stimmen im Kopf lügen nicht.

New York © O.Strazewski

Als ich einige Zeit später im Flieger zurück nach München saß, verfluchte ich innerlich bereits alles was mich daheim erwartete und ein paar einsame Tränchen kullerten meine süßen Wangen hinab, während ich die Nase gegen die Fensterscheibe presste, um noch einen letzten Blick auf Manhattan zu werfen (ich wünschte das wär gelogen).

Ich war hoffnungslos, jämmerlich, Hals über Kopf verliebt.

Dabei war es keinesfalls Liebe auf den ersten Blick, oh nein, nein, nein!

Die gefühlten 50 Grad bei meiner Ankunft, ließen die glänzenden Beton- und Glasklötze Manhattans wie hämisch grinsende flirrende Riesen wirken, kein Lüftchen wehte durch die Straßenschluchten, jeder Schritt war eine Qual und ich sehnte mich die meiste Zeit zurück in mein heimeliges auf kuschelige 12 Grad runtergekühltes Hotelzimmer.

Von Glanz und Gloria keine Spur. Doch dann, Gott sei´s gedankt, sanken die Temperaturen auf ein lebensfreundliches Maß und plötzlich schien mein Hirn willens und fähig die Wunder der Stadt aufzunehmen. Hellooooo, New York!

Bevor dieser Bericht nun an dieser Stelle komplett ausartet und auf Novellenmaß anschwillt, will ich ihn ab hier etwas kompakter gestalten.

Die zehn wichtigsten Beobachtungen

Im Folgenden teile ich also mit euch meine zehn wichtigsten (nichts geht über Top-Ten) Beobachtungen zur Stadt der Städte, auf dass euch diese für Eure Jungfernfahrt nach Gotham vorbereiten mögen.

Ready? Los geht´s.

Merke: Nur Touristen bleiben bei Rot stehen. The Red Light is just a suggestion! New Yorker laufen jederzeit blindlings über die Straße- und überleben (als Tourist sei hier Vorsicht geboten. Unerfahrene Über-Rot-Läufer landen schnell mal unter den Rädern. Autos bremsen hier nicht für Menschen.)

New York © O.Strazewski

Merke: Eine finnische Sauna ist nichts gegen die 5th Avenue im Sommer. So eine Hitze habt ihr noch noch nirgends erlebt. Am besten geht ihr nackt, nur mit einem Fächer bekleidet vor die Tür (so lernt man auch viele Menschen kennen.)

Merke: Meidet „Duane Reade“ und alle anderen Drogerien. Die süße Baby-Flasche Dove Duschgel gibt´s hier nämlich schon ab Acht Dollar. Also seht zu alles an Kosmetika von Zuhause mitzunehmen, damit nicht das halbe Reisebudget für Shampoo draufgeht.

Merke: Mit eurem gutem Schul-Englisch kommt ihr hier nicht weit. Hier spricht nämlich keiner Englisch (zumindest im Dienstleistungssektor). Stellt euch drauf ein erstmal nix zu verstehn. Nachfragen hilft nur bedingt. Dafür könnt ihr nach einer Woche mit ein paar Brocken spanisch/chinesisch/polnisch/koreanisch Zuhause glänzen.

New York © O.Strazewski

Merke: Der Geldfluss stoppt nie in dieser Stadt. ATM-Machines stehen im kleinsten Pups-Laden in der Ecke und versorgen einen mit Barem. Lasst euch nicht von der Grafik auf dem Display, die an alte Atari Games erinnert, abschrecken. Da kommt wirklich Geld raus am Ende.

Merke: Man KANN theoretisch mit Kreditkarte im Taxi bezahlen, die Technik ist allerdings etwas tückisch und nach mehr als zwei Bier gar nicht mehr zu zähmen, also haltet lieber immer genug Bargeld bereit. Davon abgesehen sind Cabs erstaunlich „günstig“ und nach Sonnenuntergang durchaus zu empfehlen (stellt Euch aber drauf ein den Fahrern den Weg erklären zu müssen. Viele von denen sind erst vorgestern in der Stadt angekommen – Stadtplan nicht vergessen!)

Merke: Gray Line Busse sind mega touristisch, furchtbar trutschig aber eignen sich super als Transportmittel durch die Stadt.

New York © O.Strazewski

Merke: Supermärkte gibt´s nicht. Zumindest keine, die nicht „Whole Foods“ heißen und in denen eine Erdbeere soviel kostet wie ne große Pizza beim Edelitaliener in München.

Merke: (Für die Damen) Die schönsten Männer laufen und liegen im Sommer oben ohne im Central Park rum. Nehmt was zu Essen mit, setzt euch auf ne Bank und genießt die Aussicht. Meine persönliche Lieblings-New-York-Attraktion.

Merke: Die New Yorker sind gar nicht so griesgrämig wie böse Menschen behaupten. Im Vergleich zum Durchschnittsbayern.. äh Europäer sind es die süßesten, hilfsbereitesten Menschen der Welt (und ja, sehr kontaktfreudig. Besonders wenn ihr, wie empfohlen, leicht bekleidet unterwegs seid).

New York © O.Strazewski

So! Und Jetzt entschuldigt mich bitte, das Fernweh hat mich grad fest im Griff, ich zücke jetzt meine Kreditkarte und buche den nächsten Flug! Oh verkommenes Babylon, du süßer Moloch, ich bin schon auf dem Weg!

Und an alle, die noch zweifeln, abschließend der wohlgemeinte Rat: Bewegt eure Hintern in den nächsten Flieger aber zack zack! Vielleicht sehn wir uns. Ich bin die mit dem debilen grinsen und dem I-love-New-York Cappi.

Bisou,
O.

New York © O.Strazewski

Ein paar knappe Ausgehtipps

  • Rocco´s für den (pardon) geilsten Cheesecake der Stadt. Vergesst die Magnolia Bakery und Junior´s gleich wieder.
  • Luke´s Lobster für famose Lobster-Rolls. War selbst nicht dort, hab aber nur Loblieder durch die Straßen klingen hören.
  • Ellen´s Stardust Diner nahe Times Square – very touristy aber so skurril, dass man es sicher nicht bereut. Singende Kellner – gute Burger.
  • La Esquina – von außen schnöde Taco Bude – unten im Keller wahnsinnig coole Bar und Restaurant (in dem man allerdings nur einen Tisch ergattert, wenn man De Niro oder Lagerfeld heißt). Für den Einlass in die Bar reicht allerdings ein halbwegs sicheres Auftreten und ein anständiges Outfit (lasst die Trekking-Sandalen im Hotel). Hier gibt´s ein paar der schönsten Menschen der Stadt.
  • The Frying Pan – Bier trinken auf einem Boot auf dem Hudson mit Blick auf die Skyline Manhattans – gibt´s was entspannteres? Nö.
  • Fat Cat – Sehr casual, sehr jung, sehr spaßig. In dieser Bar gibt´s alles von Ping Pong über Billard, Kicker, Schach etc pp. Dazu Bier. Oft Live-Musik.
  • Max Fish – irgendwas zwischen sehr hipsterig, einen Tick alternativ und auf jeden Fall einen Besuch wert. Wie überhaupt die meisten Lokale in der Ludlow Street.

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Oliwia Strazewski

von

Wohnhaft in München. Trägt High Heels bei Glatteis. Badet zu häufig. Studentin/Autorin/Redakteurin/Was-nicht-alles

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