Miniweltenbummlerin ist viereinhalb Monate alt als ich mich entschließe die erste Reise alleine mit ihr zu wagen. Die Reisen als kleine Familie zu dritt liefen ganz wunderbar, warum also nicht einen Schritt weiter gehen und den Vater zu Hause lassen. Mein Auftrag lautet die Normannische Schweiz mit Expedia in Frankreich zu erkunden.


Während alle am Wochenende Richtung Küste strömen, nutze ich die leeren Strassen und erkunde das innere der Normandie. Wieso benennen sich eigentlich Regionen nach der Schweiz, schießt es mir bei dem Schild „Suisse Normande“ unweigerlich durch den Kopf. Die Mongolische Schweiz, die Sächsische Schweiz und hier jetzt die Normannische. Berge sucht man meistens gerade dort völlig vergebens. Bereits Theodor Fontane schrieb bissig: „Die Schweize werden jetzt immer kleiner, und so gibt es nicht bloß mehr eine Märkische, sondern bereits auch eine Ruppiner Schweiz.“ (Wanderungen durch die Mark Brandenburg, Bd. 1)
Nach ein paar Kilometern auf der Route Suisse Normande ist klar, dass es sich um ein idyllisches hügeliges Fleckchen handelt und dass ein Roadtrip allein mit Baby ein paar Tücken bereit hält.


Französische Chansons dudeln im Radio. Kühe rechts und links von der Strasse, in der Weite ein paar Hügel, Getreidefelder und ein Fluss schmücken die Landschaft.
Ich hab gehört, dass hier eine Fee in dem verlassenen Schloss Le Manoir d’Argouges leben soll. Ich parke alleine vor dem Tor. Weit und breit ist niemand zu sehen. Das Tor ist verschlossen. Ich will mir das verlassene Gelände genauer anschauen. Wir gehen auf Feensuche. Ein Schlossgraben schützt das Innere. Eine Mauer versperrt die Sicht auf den Hof. Ich meine ein gekipptes Fenster zu sehen, leicht wehende Gardinen und Blumen. Aber keine Fee. In der Kirchenruine auch nicht. Bei den verlassenen Stallungen knarren die Türen im Wind, Gänsehaut. Es schaudert mich und ich trau mich doch tatsächlich nicht weiter. Die Kleine ist davon völlig unbeeindruckt, und hat sich vom Scheppern in den Schlaf wiegen lassen. Die Fee haben wir nicht gefunden. Diesmal nicht.


Als nächstes will ich zu einem der schönsten Aussichtspunkte dem Pain de Sucre. Vorher noch schnell die Windel wechseln. Und dann, das Malheurs! Ich bin nass, das Baby ist nass gepinkelt und Wechselsachen haben wir nur im Hotel, natürlich keine im Auto. 
Im Hotel verkündet die Kleine dann lauthals, dass sie absolut keinen Bock mehr auf Autofahren hat, ihren Vater sehen will und die Welt überhaupt gerade einfach eine Vollkatastrophe ist. Während sie ihren Kummer entlädt fällt mir auf, dass es bereits 14 Uhr ist, ich noch gar nichts gegessen hab, unfassbar müde bin, mein Rücken stark schmerzt und mir das so alles gerade gar nicht in den Plan passt. Auch für mich droht die Welt just unterzugehen. Wie kam ich nur auf diese Schnapsidee alleine mit Baby zu verreisen, rotiert es in meinem Kopf. 
Längere Atempause und eine Ibuprofen später beschließe ich den Hunger zu verdrängen und der Kleinen und mir eine Portion richtigen Mittagsschlaf und Ruhe zu gönnen. 
Das Auto bleibt stehen, der Roadtrip vertagt. Wir spazieren später gemütlich durch das beschauliche Städtchen Bayeux. Lauschen dem Glockenspiel der Kathedrale zur vollen Stunde, derweil ich einen Kaffee schlürfe und Kuchen mampfe.
Auch das gehört doch irgendwie zur Eigenheit der Schweiz, Gemütlichkeit und Entschleunigung. 



Für weitere Eindrücke aus der Normannischen Schweiz und weiteren Schweizer Regionen dieser Welt schaut unbedingt auf dem Expedia Blog Verschweizert! vorbei. Dort findet ihr auch noch jede Menge Fotos, ein Video und die ganze Geschichte meines Roadtrips mit Lieblingsadressen aus der Normannischen Schweiz. Klick hier!




P.S. Die Frage, die ich häufiger gestellt bekomme, ob bzw. ab wann ich mit Baby denn wieder reisen würde, dürfte damit hinreichend beantwortet sein. Wir sind auch mit Nachwuchs weiterhin munter unterwegs, und haben Spaß!

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Marianna

von

Marianna ist Hamburgerin mit griechischen Wurzeln, studierte in Berlin Literatur-, Kultur- und Rechtswissenschaften und arbeitete in Indien, Griechenland und München. Sie lebt in Berlin, ist als Autorin, Webdesignerin und Fotografin tätig und ist süchtig nach frischem Koriander.

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