Noch nie zu vor habe ich die völlig alltäglich, schnell dahingesagte Frage „Wie geht es dir?“ so bewußt an meine Familie und Freunde verfasst, wie in den letzten Wochen. Denn der Lebensalltag hat sich durch die Corona-Epidemie für alle drastisch verändert und jeder kommt unterschiedlich gut damit zurecht, hat unterschiedliche Folgen zu tragen. Deswegen zu allererst, die wichtigste Antwort vorne weg: Wir sind gesund und zum Glück, unsere Familien und Freunde auch.

Jedoch ist die Situation für mich in den letzten Wochen alles andere als einfach. Als Verlagsgründerin kämpfe ich wie sehr, sehr viele Selbstständige mit wirtschaftlich starken Folgen und das bereits seit Anfang März: Absagen von Messen, der Zusammenbruch der Touristik, die Schließung von Buchläden treffen meinen Reiseverlag hart.
Sicher, einige Menschen mögen mehr online sein als vorher (aber die beschäftigen sich deswegen nicht mit Reisen), aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass das eben nur auf Einige zutrifft. Auf mich zum Beispiel nicht, im Gegenteil. Ich bin deutlich weniger online als zuvor. Denn ich hab auch noch zwei kleine Kinder im Kita-Alter, die ich nun fröhlich singend, oder auch mal lauthals schreiend den ganzen Tag im Home-Office toben hab, beziehungsweise auf mir drauf hab, denn wie mir meine vierjährige-Tochter versicherte, sieht sie in mir ein Klettergerüst, die Kleine macht vergnügt alles mit und kommt zusätzlich aktuell überhaupt nicht damit zurecht, dass sie weder Laptop noch Handy in die Finger kriegen soll.
Meine Arbeitszeit hat sich zwangsweise drastisch minimiert, obwohl es mir keineswegs an Arbeit mangeln würde.

Es gibt aber auch ein paar schöne Punkte. Die beiden Kinder haben eine wahnsinnig tolle Zeit zusammen, sie spielen, streiten und hecken gemeinsam Quatsch aus, probieren sich an Achterbahn-Kunststücken und Schokoladen-Frühstück.


Und wenn ich diesem Ausnahmezustand noch was positives abgewinnen kann, dann tatsächlich, dass ich beim Bezahlen nicht mehr augenrollend angeschaut werde, wenn ich meine Girocard zücke, sei es auch nur für einen Liter Milch oder eine Kugel Eis. Genau, ich hab das tatsächlich auch schon vor der Krise gemacht, wenn das möglich war und erntete missfallende Blicke oder ein „geht nicht“.
Mit zwei Kindern kann das Bezahlen manchmal folgendermaßen aussehen: Kind 1 steht schreiend vor mir und zerrt an meinem Rockzipfel, dass es das Eis jeeeetzt haben will, während Kind 2 munter, fröhlich den Laden verlässt, auf die Straße zu tapst und niedlich klingend „Auko“ murmelt.
Da geht das Zücken der Girocard – kurz draufhalten – bezahlt, schneller, als umständlich Kleingeld abzuzählen, schließlich muss ich Kind 2 noch rechtzeitig vorm Bordstein aufhalten.
Und während dieser Corona-Zeiten gewinnt es den schönen Aspekt, dass man sich und vor allem die anderen damit schützt. Ich selber bin durch Home Office und meine Selbstständigkeit ja immerhin in der privilegierten Lage meine sozialen Kontakte tatsächlich auf meinen Hausstand reduzieren zu können. Die Mitarbeiter im Supermarkt, beim Bäcker oder im Eisladen aber nicht, sie sind einer wesentlich größeren Ansteckungsgefahr ausgeliefert und mit Kartenzahlung lässt sich ein Faktor der Infektionskette immerhin schonmal minimieren.

Auch schön: Die Abstandsregelung. Ich schätze sie beim Schlange stehen sehr. Wobei ich vermute, dass diejenigen die jetzt am lautesten Schreien, dass man mit dem Kinderwagen zwanzig Zentimeter zu dicht dran sei, diejenigen sind, die einem sonst im Nacken klebten.

Bleibt gesund!

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