Ein Gastbeitrag von Janita Mintcheva:

Wir fahren auf der gefühlt einzigen anständigen Straße außerhalb der städtischen Gebiete, der A1 von Sofia Richtung Burgas, die Verbindung zwischen der Hauptstadt und dem Sonnenstrand. Irgendwo zwischen vorgetäuschtem Fortschritt und Alkoholtourismus liegt unser Ziel: Stara Zagora. Diese bulgarische Stadt – gerade mal so groß wie Heidelberg – war bis vor 20 Jahren die Heimat meiner Eltern. Und ist es in deren Herzen, aber auch in meinem, immer noch.

Bulgarien_Einheimische

Foto: Kristina Dimitrova

Auf diesem Blog wird oft über das Reisen, das Unbekannte berichtet. Aber was ist, wenn die Reise einen in die Heimat führt? Wenn man in einer fremden Kultur ankommt, sich aber trotzdem mit den Menschen identifizieren kann? Wenn man die Einheimischen in und auswendig kennt, und dennoch merkt, dass man doch nicht ganz dazugehört? Ich werde versuchen, es euch zu erklären. Und hoffentlich das allgemein bekannte Bild von Sonne, Strand und Partys um das eigentliche Leben in diesem Land zu bereichern.

Bulgarien_Kirche

Fotos: Dennis Dimov

Bulgarien_Holzhaus

Foto: Dennis Dimov

Vorab gesagt: Wer dieses Land erkunden will, sollte sich unbedingt ein robustes Auto, Geduld (oder vielleicht doch etwas Ungeduld zwecks der Anpassung) und viel Humor in seine Reisetasche packen. Ihr werdet euch an “Achtung, hier fahren Kutschen-Schildern”, Straßen, die eher aus Schlaglöchern als aus Asphalt bestehen, und – wie ersteres schon vermuten lässt – Kutschen von Zigeunerfamilien gewöhnen müssen. Auch wenn der Zustand der Straßen es so oder so zu einer Sache der Unmöglichkeit macht, würde ich euch abraten zu rasen. In den Städten gibt es überall sogenannte schlafende Polizisten. Wer vor diesen Erhebungen im Asphalt nicht ordentlich abbremst riskiert seinen Stoßdämpfer – die einzige Möglichkeit ungeduldige Autofahrer zum Abbremsen, und bestenfalls zum Anhalten vor einem Zebrastreifen zu motivieren. Und was die richtige Polizei betrifft, naja. Manchmal stehen deren Autos versteckt, manchmal auffällig als Pappattrappen am Straßenrand. Und nur manchmal sind sie auch ein ganz klein wenig korrupt und drücken bei einer milden Gabe von einigen Leva ein Auge zu. Die Ungeduld im Straßenverkehr ist allgegenwärtig. Hupen ist nicht nur ein Warnzeichen, es ist auch Begrüßung, Aufforderung um bei Rot über die Ampel zu fahren, Verabschiedung. Es dient dem Dampf ablassen, ist ein Synonym für “Fahr doch endlich schneller, du Depp” oder einfach Zeichen dafür, dass man nach Aufmerksamkeit sucht. Und apropos rote Ampel: viele Ampeln werden durch Countdowns geziert, die anzeigen, wie viele Sekunden es noch grün bzw. rot ist.

Bulgarien_Kloster

Foto: Dennis Dimov

Die Bulgaren sind ein sehr ehrgeiziges Volk. Wer einen guten Abschluss hat und sich eine bessere Zukunft wünscht, der geht ins Ausland, nicht Wenige verschlägt es auf der Suche nach einem besseren Leben nach Deutschland. Warum der große Fortschritt ausbleibt, liegt an … ich weiß es nicht. Wahrscheinlich eine Mischung aus Korruption, den falschen Leute in den falschen machthabenden Positionen, eine traurige Geschichte von Aufstieg und Fall durch die fünfhundertjährige Besetzung vom damaligen Osmanischen Reich und … Der Vorteil der Armut: Mittellosigkeit macht kreativ! Die Autos zerfallen zwar an allen Enden und würden in Deutschland im Leben nicht durch den TÜV kommen, aber mit provisorischen Ersatzteilen und etwas Panzertape kann man sie dennoch fahren. Die Oma putzt mit Schnaps – Rakia, zwielichtiger Herkunft – die Fenster oder desinfiziert Wunden, der Opa bastelt eine Steinschleuder aus einem alten Griff vom Auto. Vor allem auf dem Dorf, wo viele Stadtbewohner kleine Flächen Land zum Anbau von Obst und Gemüse zum Eigenbedarf besitzen, ist Kreativität und Improvisieren oberstes Gebot. Denn dort wird sehr viel geklaut. Hast du eine Tür aus Stahl, hast du am nächsten Morgen keine mehr. Hast du teure Ausstattung, sei es auch nur eine Wasserpumpe für 40 €, so wird diese über Nacht aus dem Boden gegraben. Hast du schöne Blumentöpfe, sind da wenig später keine mehr. Das heißt also: ein einfacher Zaun, kleine Ziegelkapuffs mit einer Pritsche zum Ausruhen und alte Autoreifen als Blumentöpfe tun’s auch!

Bulgarien_Landschaft

Fotos: Kristina Dimitrova

So arm das Land auch scheinen mag, in Bulgarien steckt meiner Meinung nach großes Potential. Das zeigte nicht zuletzt die Geschichte des Landes. Nur wenige wissen, dass Bulgarien unter Zar Simeon I. um 900 eine Großmacht war, deren Gebiet sich fast über die gesamte Balkanhalbinsel erstreckte. Seit der Christianisierung Mitte des 9. Jahrhunderts entwickelte sich eine Hochkultur, die auch zur Einführung des slawischen Alphabets führte. Der kulturelle und wissenschaftliche Fortschritt des Landes wurde durch die 500-jährige Fremdherrschaft durch das osmanische Reich stark gebremst bis zur Befreiung durch Russland Ende des 19. Jahrhunderts. Doch die Spuren der glanzvollen Geschichte lassen sich nicht verwischen. Große Berühmtheit erlangten beispielsweise die Gräberfelder von Varna, in denen über 4000 Jahre alte Goldschätze, u.a. Goldzepter, -ketten, oder –perlen und damit das bisher älteste bearbeitete Gold gefunden wurden. In Stara Zagora wiederum fand man bei Ausgrabungen Überreste einer Siedlung aus dem Römischen Reich, sowie Teile ehemaliger römischer Bäder. Eben genannte Stadt vollzog in den letzten zwei Jahren, seit den letzten Bürgermeisterwahlen, einen enormen Wandel. Mit Geldern der EU wurden Straßen saniert, Spielplätze und Parks gebaut, und vieles mehr! Wären da nicht die verfallenden sozialistischen Wohnblöcke, würde man die Stadt kaum wiedererkennen. Da zeigt sich, wie wichtig es ist, die richtige Person in der richtigen Position zu haben.

Bulgarien_ArchitekturBulgarien_Sozialismus

Bulgarien_Statuen

Foto: Dennis Dimov

Bulgarien ist ein wunderschönes Land. Doch die Schönheit ist versteckt hinter verfallenden Bauten aus dem Sozialismus, aufplatzenden Straßen und Armut. Die Schönheit liegt in der Natur, und der Mentalität. Freundschaft und Familie spielen in der Gesellschaft eine große Rolle. Wenn du ein kleines Geschäft besitzt und ein Freund auf deiner Fußmatte steht, gibst du ihm einen Preisnachlass, egal wie arm du selbst bist. Du hast immer die private Nummer deines Arztes, welcher auch mitten in der Nacht abnimmt und dich behandelt wenn du Schmerzen hast. Man hat auch zu Cousins und Cousinen zweiten oder dritten Grades engen Kontakt, dementsprechend nehmen Familienfeiern eine komplett neue Dimension an. Senioren werden mit sehr viel Respekt behandelt, da sie die meiste Lebenserfahrung gesammelt haben. Senioren sind leider gleichzeitig auch der ärmste Teil der Bevölkerung. Die Renten sind mickrig im Vergleich zu den Deutschen, und ohne weitere Ersparnisse oder Geldanlagen kommt man kaum um die Runden. Und da sind wir wieder bei der Mittellosigkeit. Wie vertreibt man sich als Rentner also die Zeit? Sie spielen zum Beispiel im Park Schach, und darin sind sie unglaublich gut! Man könnte Bulgarien eigentlich schon als Schachnation bezeichnen, wenn man sieht, wie weit verbreitet und vor allem auf welchem Niveau Schach gespielt wird. Dann sind Bulgaren auch noch unglaublich freundlich, und haben Ausdrücke von denen man im Deutschen nur träumen kann. Ich rede jetzt nicht von Schimpfwörtern, ich rede davon, dass beispielsweise ein fremdes, älteres Mädchen das man auf der Straße trifft als „große Schwester“ bezeichnet wird, fremde Frauen als „Tante“; davon, dass es für die Tanten und Onkel mütterlicher bzw. väterlicher Seite verschiedene Wörter gibt, wie auch für viele andere Verwandtschaftsgrade. Prinzipiell wird ein Großteil der Gebrauchsgegenstände verniedlicht, und es gibt zahlreiche Begriffe für Emotionen. Das Gefühl zwischen traurig und aufgebracht, das Gefühl zwischen euphorisch und skeptisch, und, und, und.

Bulgarien_Meer

Foto: Dennis Dimov

Und wie es sich nun als bilingual/bicultural Aufgewachsene anfühlt? Seltsam, würde ich sagen. Egal in welchem der beiden Länder man ist, es fallen einem immer wieder Situationen auf, in denen man sich nicht ganz zugehörig fühlt, in denen sich der Gedanke im Kopf breit macht wie es die Leute aus der anderen Heimat gemacht hätten und einfach nicht mehr verschwinden will. In solchen Momenten fühlt es sich falsch an. In anderen Momenten wiederum fühlt man sich wie auf einer Party zweier Freundeskreise, die sich nie begegnet sind. Nur man selbst ist mit beiden gut befreundet und genießt den Abend in vollen Zügen. Solche Momente sind unbezahlbar. Manchmal fühlt man sich ohne Heimat, doch meistens ist es das Gefühl, dass sich die Heimat auf zwei Nationen breit macht. Ein bisschen wie nach der Schule in eine andere Stadt zum Studieren zu ziehen. Irgendwann weiß man nicht mehr wo man den Geburtstag oder Silvester feiern soll, gleichzeitig ist man doch glücklich, an zwei Orten Freunde und Familie gefunden zu haben. Das gibt einem das Gefühl, auf der ganzen Welt zu Hause zu sein. Und macht einen vor allem auch tolerant, weil man weiß, dass die Leute woanders im Grunde nicht anders sind als hier. Und dann gibt’s ja noch die Sache mit der Sprache und den Ausdrücken. Manchmal ist es durchaus verwirrend, wenn man genau dieses eine bulgarische Wort für das Gefühl zwischen traurig und aufgebracht im Kopf hat und dann partout nicht auf das deutsche Äquivalent kommt – weil es keine richtige Übersetzung dafür gibt. Ähnlich wie mit dem Englischen, wo dann das eine Wort den Kontext besser trifft – aber kein Thema, dann sagt man’s halt auf Englisch und ist auch noch cool weil man Anglizismen verwendet. Anders verhält es sich dann, wenn man “Warum bist du so разстроен?” sagt. Damit erntet man maximal schiefe Blicke. Großartig hingegen ist jedoch die „Geheimsprache“, die man dafür mit seiner Familie hat. Man kann in aller Ruhe privates besprechen, ohne dass jeder mithören – bzw. wohl eher mitverstehen – kann.

Bulgarien_3

Foto: Dennis Dimov

Wir fahren auf der ersten gut ausgebauten Straße außerhalb der städtischen Gebiete, der A1 von Sofia Richtung Burgas, die Verbindung zwischen bulgarischer Kulturhochburg und schönen Stränden auf denen junge Leute für ihren Traum, eines Tages im nationalen bulgarischen Volleyballteam zu spielen, trainieren. Irgendwo zwischen Rosenfeldern, wunderschönen Klöstern und alten Villen liegt unser Ziel: Stara Zagora. Diese bulgarische Stadt, die sechstgrößte des Landes, ist die Heimat meiner Familie, und begleitet mich in Gedanken in jeder einzelnen Minute meines Lebens.

Bulgarien_nacht

Foto: Dennis Dimov

Dieser Text beruht auf meinen eigenen Erfahrungen und persönlichen Eindrücken während meiner Besuche in Bulgarien. Ich will damit nicht alle Bulgaren über einen Kamm scheren, ich beschreibe lediglich, womit mir das Land in Erinnerung bleibt, was meiner Meinung nach also besonders markant und typisch – keinesfalls aber zu 100% zutreffend – ist.
Titelfoto: Kristina Dimitrova.

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Janita Mintcheva

von

ist Dresdnerin mit bulgarischen Wurzeln und studiert molekulare Biotechnologie in München. Sie liebt es, jeden Moment, jede Landschaft und jedes Detail in sich aufzusaugen, dafür legt sie die Kamera auch gern mal beiseite. Was sie immer dabei hat auf Reisen: ein gutes Buch und das Gefühl, dass die Welt ihr zu Hause ist.

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(19) Kommentare Schreib mir was!

    • 6. Januar 2016

    Sehr schöner und interessanter Artikel. Nur eine Frage: Kann man wirklich sagen, dass die Dinge von Zigeunern geklaut werden? Da tut man vielleicht einer sozialen Gruppe etwas Unrecht. Es ist ja in der Regel so, dass man nicht weiss, wer etwas gestohlen hat – die Dinge sind dann einfach weg. Ohne Nachricht.

    • Vesko Yordanov
      • 6. Januar 2016

      Ja, das kann man so sagen. Ist leider die Realität.

    • Janita
      • 10. Januar 2016

      Ein berechtigter Einwand Susanne, ich kann deine Zweifel verstehen! Ich wurde zunächst auch stutzig, als immer wieder die Zigeuner beschuldigt wurden. Natürlich klauen auch Nicht-Zigeuner, aber leider ist es vor allem in der Bevölkerungsgruppe der Zigeuner ein Problem, wie Vesko auch sagt.

  1. Isa
    • 6. Januar 2016

    Ein wirklich schöner Artikel!
    Es ist auch die Heimat meinet Eltern, sie sind vor 25 Jahren ausgewandert und ich muss gestehen, dass ich selbst viel zu selten in ihrer, ja eigentlich auch meiner, Heimat war. Und trotzdem fühlt sich alles, was du beschreibst, so nah und vertraut an, ich weiß genau was du meinst und dein Artikel hat mich berührt. Vielleicht ein bisschen Heimweh und Nostalgie geweckt.
    Herzliche Grüße, Isabell

    • Janita
      • 10. Januar 2016

      Danke Isa, das freut mich zu hören! 2016 ist sicher ein tolles Jahr, um Bulgarien einen Besuch abzustatten :)

    • 7. Januar 2016

    ach – ich mag Bulgarien. Und ich hab mich da auch immer sehr wohl gefühlt – und ich fahre bald wieder hin ;-)

    liebe Grüsse vom Muger

  2. Katerina
    • 8. Januar 2016

    Liebe Gruesse aus Athen!!

    • 9. Januar 2016

    Ich bin gerade, wenn ich ganz ehrlich sein soll, nicht so ganz sicher ob ich mich nicht ein wenig über diesen Text beschweren soll. Zu klischeehaft ist dieses Bild das hier von Bulgarien gezeichnet wird. Ich erlaube mir zwei Beispiele herauszupicken:

    “Wir fahren auf der gefühlt einzigen anständigen Straße außerhalb der städtischen Gebiete, der A1 von Sofia Richtung Burgas […]” mit Verlaub, bei so einer Äußerung gibt es nur zwei Rückschlüsse zu: entweder das entstand aus der Überlegung nach einer möglichst reißerischen Einleitung zwecks Steigerung der Seitenaufrufe, oder aber Ihr habt keine anderen Straßen außerhalb der städtischen Gebiete befahren. Die Straßen quer durch Bulgarien (und selbst die kleinen) sind in hervorragendem Zustand. Ganz ehrlich? weite Strecken sogar deutlich besser als Überlandstraßen in Deutschland.

    “Denn dort wird von Zigeunern geklaut wo es nur geht. Hast du eine Tür aus Stahl, hast du am nächsten Morgen keine mehr. Hast du teure Ausstattung, sei es auch nur eine Wasserpumpe für 40 €, so wird diese über Nacht aus dem Boden gegraben […]”
    Bitte? Ich hoffe Du kannst derartig grobe Anschuldigungen mit einer vertrauenswürdigen Quelle belegen, ich finde das grenzt deutlich an übler Nachrede.

    Ich schreibe dies nicht, weil ich mich zu irgendeiner der betroffenen Personengruppen zugehörig fühle, sondern weil ich Bulgarien für einige Wochen ganz unvoreingenommen selbst kennen lernen durfte. Ein schönes Land, vielleicht arm, aber definitiv ein Land das es auch verdient hat diese (aus meiner persönlichen Erfahrung heraus) völlig unbegründeten Vorurteile irgendwann auch mal hinter sich lassen zu dürfen, denn so ist es irgendwie doch auch kein Wunder, “Warum der große Fortschritt ausbleibt […]”

    • Janita
      • 10. Januar 2016

      Hallo Benjamin, danke für deinen Kommentar!
      Ich freue mich zu hören, dass du Bulgarien auch von einer anderen Seite kennenlernen durftest. Du hast recht, Bulgarien ist definitiv arm, es steckt aber viel mehr in diesem Land.

      Ich hoffe die Erklärungen unten geben dir eine Antwort auf deine Fragen und Bedenken:

      Zum ersten Beispiel: Der erste Satz in meinem Beitrag ist wirklich nicht als “reißerische Einleitung” gemeint sein. Mein Ziel war es, mit dem ersten und dem letzten Abschnitt (beide kursiv) einen fiktiven Rahmen um die Geschichte zu setzen. Im ersten Abschnitt, der wie der Anfang einer Geschichte ist, die eine erste Begegnung mit dem Land, zaghaft und vielleicht noch etwas voreingenommen, darstellt. Flughafen, Autobahn, und wenn man dann die Ausfahrt nach Stara Zagora nimmt, fährt man noch ein bisschen durch die abgelegenen Dörfer, wo die Straßen deutlich schlechter sind als die Autobahn. Der letzte Abschnitt hingegen, zeigt den Erzähler nach seiner Reise durch das Land, und ich hoffe man merkt, dass er das Land ganz anders, viel schöner, wahrnimmt.

      Zum zweiten Beispiel: Leider ist die Geschichte wirklich meinem Großvater passiert. Als sie einmal tagsüber eingebrochen sind, hat er sie sogar auf frischer Tat ertappt, nur konnte er in dieser Situation nicht viel unternehmen, da er nicht mehr so schnell auf den Beinen ist.

      Und zuletzt: Ich bin in dieses Land hereingewachsen und weiß daher, dass viele Vorurteile nicht stimmen. Deswegen war es mir auch so wichtig, mal ein Bild das so vielfältig wie möglich ist, von Bulgarien zu zeichnen. Ich habe über die Geschichte recherchiert, ich habe die Meinung von Verwandten über den neuen Bürgermeister mit eingebracht, und nicht zuletzt viele kleine Geschichten, die mir wirklich so in Bulgarien wiederfahren sind, und einen Eindruck hinterlassen haben, erzählt. (Das habe ich auch noch einmal unter dem Text vermerkt.) Wenn ich zum Beispiel über die Rolle der Familie und eine beliebte Freizeitbeschäftigung der Senioren erzähle, über meinen Onkel der Zahnarzt ist und beim Abendessen den Tisch verlässt, um einen Patienten zu behandeln, von Cousinen und Cousins die jetzt in Deutschland oder Frankreich studieren, versuche ich auch eine Seite zu zeigen, die ein Reisender (außer er kommt in einer Gastfamilie unter oder plant einen sehr langen Aufenthalt) wahrscheinlich so nicht erleben wird.

  3. Janita
    • 17. Januar 2016

    Liebe Leser,
    der Begriff “Zigeuner” wurde aufgrund von Missverständnissen aus dem Beitrag genommen.
    Liebe Grüße,
    Janita

  4. Julia
    • 18. Januar 2016

    Ein toller Artikel! Du hast viele Empfindungen sehr schön beschrieben, die man fühlt als bilingual/bikultural aufgewachsene Person. Man fühlt sich zwei Kulturen zugehörig, aber zu keiner der beiden zu 100 Prozent. Mal tendiert man mehr zu der Einen mal zu der Anderen, man könnte sich nur schwer entscheiden, was man auch garnicht möchte, denn das Herz schlägt für beide Kulturen. Ich bin Russlanddeutsche und kann gut nachempfinden, was du meinst. Danke für deinen schönen Bericht, Bulgarien ist wahrlich ein schönes Land. War auch schon mal dort, doch wie ich finde, viel zu kurz.

    Lieben Gruß aus Hamburg

    • Janita
      • 21. Januar 2016

      Die Frage “Und woher kommst du?” ist finde ich die schwierigste. Und wenn man sich entscheiden müsste, eine richtige Antwort gäbe es nicht.

    • 19. Januar 2016

    Spannendes Land, scheint wie ein Land mit “echten” Leuten. Ich weiß nicht wie ich es beschreiben soll. Man macht Fehler, man hat gute und schlechte Seiten, interessantes und langweiliges.

    Und das Bild der beiden älteren Damen ist wirklich top!

    • Janita
      • 21. Januar 2016

      An der Stelle muss ich mich auch mal bei Krissi und Dennis bedanken, die beiden sind einfach klasse Fotografen :)
      Ich verstehe völlig was du meinst, manchmal fehlen einfach die Worte dazu. Meinst du vielleicht “authentisch”? Diese tiefen Emotionen und Assoziation in Worte zu fassen war eine echte Herausforderung! Umso mehr freut es mich, dass du meine Gedanken dazu nachvollziehen kannst, danke! :)

    • 19. Januar 2016

    Mal abgesehen von den Zigeunern: Dass im Artikel ein paar Klischees, oder sagen wir, tradierte Images, bemüht werden, kann ich das alter Ossi, glaube ich, gut nachvollziehen. Wenn das Land, aus dem man kommt, starken Veränderungen unterworfen ist, muss man sich zum einen an ein Image klammern, das aus der Vergangenheit kommt, weil es das letzte stabile ist, auf das sich alle verständigen können. Auf der anderen Seite weiß man, das eigene Land befindet sich in einem Transformationsprozess, einem Ausnahmezustand, bei dem nichts sicher oder vorhersagbar ist. Und davor muss man sich natürlich auch in Acht nehmen und gegenseitig warnen. Also werden entsprechende “extreme” Ereignisse, und wenn es die geklauten Blumentöpfe aus Opas Garten sind, bewusster wahrgenommen und in der Gesellschaft stärker verinnerlicht, als das statistisch wahrscheinlich beweisbar wäre. So ein Einbruch oder stark marode Straßen sind eben etwas, was in der Vergangenheit, von der aus man ja irrtümlich auch immer gern auf die Zukunft schließt, häufiger als normal vorkam. Und auf diesen Eindruck eines besonderen, vielleicht auch besorgniserregenden Zustands, beruft man sich glaube ich auch dann noch, wenn das Land vielleicht an manchen Stellen schon einen Schritt weiter ist – wie gesagt, glaube ich. ;)

  5. Tamara O.
    • 25. Februar 2016

    Puh, das letzte mal als wir in Bulgarien waren, haben wir eine Balkan Reittour gemacht. Die war echt super und wir hatten fast dieselben Bilder vor Augen wie auf den Bildern hier. Da kommt echt Fernweh auf!

    • 29. April 2016

    Schöner Artikel.
    Ich war letztes Jahr in Bulgarien. Allerdings nur zum Urlaub machen am Goldstrand.
    Leider habe ich dadurch nicht so viele Einblicke in die Kultur bekommen, aber das was ich mitbekommen habe, spiegelt diesen Bericht genau wieder.

    LG Julia

  6. Bender
    • 8. Oktober 2016

    naja… also…
    ich war grade da und muss sagen:
    Land schön auf jeden ABER selten so schwieirig gereist…

    warum?
    ganz einfach: man fühlt sich nicht willkommen als Backpacker abseits der gängigen Pfade . kaum Kontaktversuche, fast nie freundliche Worte, Hilfe an Bus und Bahnhaltestellen von den Leuten die dafür bezahlt werden auf keinen, eher genervte Haltung ala ” ach nee jetzt muss ich hier mal was arbeiten ” ect. pp.

    gottseidank gab es hin und wieder sehr junge ( die 20 Jahre alte Generation ) Leute die sehr hilfsbereit waren, übersetzten und halfen im nächsten Ort v eine Unterkunft klarzumachen, bzw. dort anzurufen und zu reservieren. was nämlich überhaupt nicht hinterherhinkt sind Internet und smartfon ect.und co.

    wer russisch kann und versteht oder sogar bulgarisch hat es definitiv leichter, aber die fehlende Infrastruktur macht es nicht wett. und ob man dann mit den schüchtern verschlossenen Menschen besser in kontakt kommt wage ich zu bezweifeln.

    ev. probiere ich es nochmal, in einigen Jahren, noch gibt es sehr viel mehr anders zu entdecken…

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